Edith Södergran

Gedichte und Musik

Die Aufführung fand in der
Christengemeinschaft Basel statt
Am Sonntag, den 15. April 2012 um 17°° Uhr
Lange Gasse 10 in Basel

 

mit

 

Francesca Gurri | Rezitation
Monica Forster Corrêa | Violoncello
Florian Galsterer | Klarinette, Bassklarinette

EDITH SÖDERGRAN
„Ohne Schönheit lebt der Mensch nicht eine Sekunde“
GEDICHTE VON EDITH SÖDERGRAN
Eine sprachlich-musikalische Reise durch ihr künstlerisches Leben
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geb. 4. April 1892

gest. 21. Juni 1923

 

„Ich habe Kräfte. Ich fürchte nichts. Der Himmel ist mir licht. Geht die Welt unter – ich gehe nicht unter. Meine lichten Horizonte stehen über der stürmenden Erdnacht. Tretet hervor aus dem rätselvollen Lichtfeld! Unbeugsam wartet meine Kraft.“

Edith Södergran war eine der ersten expressionistischen Lyrikerinnen Skandinaviens. Ihre herbe poetische Sprache verbindet sinnlichen Bilderreichtum mit spirituell sensibler Erlebniszartheit.

Edith Irene Södergran wuchs an der Grenze zwischen Finnland und Russland auf. Den Sommer verbrachte sie in der kleinen Stadt Raivola, im Winter besuchte sie die Schule in St. Petersburg. 1908, ein Jahr nach dem Tod ihres Vaters, erkrankte sie 16-jährig an Tuberkulose und musste die Schulzeit abbrechen. In der Hoffnung auf Heilung reiste sie mehrfach mit ihrer Mutter in die Schweizer Berge, bis sie 1917 infolge der russischen Revolution verarmten. Als weitere Reisen an Kurorte nicht mehr möglich waren, verschlechterte sich Ediths Gesundheit zusehends. Ihre letzten Lebensjahre bis zu ihrem frühen Tod verbrachte sie in Abgeschiedenheit mit ihrer Mutter in Raivola.

Edith Södergran veröffentlichte vier Gedichtbände: „Gedichte“, „Septemberlyra“, „Der Rosenaltar“ und „Schatten der Zukunft“. „Das Land, das nicht ist“ erschien 1925 posthum.

Ihre erste Publikation wurde als Sammlung reim- und formloser „Narrengedichte“ kritisiert, nur wenige sahen in ihrer expressionistischen Lyrik den Durchbruch einer neuen literarischen Epoche. Über die Inspiration zu ihrem zweiten Gedichtband, „Septemberlyra“, sagt sie: „Ich erlebte plötzlich mit zweifelloser Sicherheit, dass eine

stärkere Hand meinen Pinsel ergriffen hatte.“ Dieses Buch eignet sie „nur wenigen Individuen, die der Grenze der Zukunft am nächsten stehen“ zu.

In dieser Zeit begegnete Edith Södergran der Autorin Hagar Olsson, die ihre Begabung erkannte und ihr eine nahe Freundin wurde. Nachdem Södergran sich schon früh mit Philosophen wie Schopenhauer und Nietzsche befasst hatte, entdeckte sie im Herbst 1919 bei ihrer Nachbarin, Dagmar von Schanz, Schriften Rudolf Steiners. Seine Vorträge über die Evangelien und die Mysteriendramen berührten sie besonders. Im Juni 1920 wurde sie Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft. Zu ihrer großen Freude begann sich Hagar Olsson auch für Anthroposophie zu interessieren und reiste anstelle der geschwächten Freundin nach Dornach, um an der Eröffnung des ersten Goetheanum teilzunehmen. Später bedauerte Olsson, nicht den Mut aufgebracht zu haben, mit Rudolf Steiner über Edith Södergran zu sprechen.

Die Anthroposophie, die für die 28-jährige Södergran auch ein religiöses Erwachen beinhaltete, gab ihr Hoffnung auf Genesung. „Das Wissen von Gott“, schreibt sie an Hagar Olsson, „wirkt sehr stark auf Lunge und Herz. Man atmet so, als ob es quer durch den ganzen Körper ginge.“ Sie ahnt eine Geistesstärke, die über den Tod hinausführt: „Die Engel singen zur Erde: Zerreißt des Todes Vorhang, reißt ihn herab!“ („Auferstehungsmysterium“, aus der letzten Gedichtsammlung „Schatten der Zukunft“, 1920.)

Den Kritikern von „Schatten der Zukunft“ fehlte dafür jegliches Verständnis. Nachdem ihr letzter Band als „mystisch-egozentrische Dichtung, reich an krankhaften Gewächsen“ verrissen wurde, verstummte Edith Södergrans poetische Sprache fast gänzlich.

Krank, einsam und verarmt, verliert sie jedes Interesse an der Außenwelt und wendet sich in dramatischen Seelenkämpfen nach innen. Sie liest Steiner, seine erkenntnistheoretischen Schriften stoßen sie jedoch ab. „Ich leide unsäglich unter dem Kontrast zwischen Christus und Steiner“, schreibt sie an Hagar Olsson. Sie sagt sich von aller Philosophie, Kunst und Kultur, von allem Streben nach moralischer Vervollkommnung los, sie sehnt sich nach dem Naiven, nach der unmittelbaren göttlichen Gewissheit des Gefühls, nach Heimkehr:

„Die Bäume der Kindheit umringen mich jubelnd: o Mensch! und das Gras heißt mich willkommen. Ich lehne den Kopf in die Halme: endlich zu Hause. Nun kehr ich den Rücken allem, was hinter mir liegt: Gefährten allein werden Wald mir, Ufer und See. Nun trinke ich Wahrheit aus saftigen Fichtenkronen, nun trinke ich Wahrheit vom trockenen Birkenstamm, nun trinke ich Macht aus dem kleinsten, zartesten Grashalm: ein mächtiger Schutzherr reicht gnädig mir seine Hand.“ („Heimkehr“ 1922)

In ihren letzten Lebensjahren schrieb Edith Södergran nur noch vereinzelte Gedichte, die in der modernistischen Zeitschrift „Ultra“ veröffentlicht wurden. Ihr Enthusiasmus flammte noch einmal auf, als ihr bei der Übersetzung von Hagar Olssons Roman „Die Frau und die Gnade“ ins Deutsche die Idee zu einem internationalen Übersetzungsprojekt als globales Kontaktnetz von Künstlern, die – ebenso wie sie selbst – für die Zukunft arbeiten, kam. Von einer Veröffentlichung dieser modernen Finnland-schwedischen Anthologie in Deutschland versprach sie sich viel. Sie übersetzte zahlreiche Gedichte von Ragnar Ekelund, Elmer Diktonius, Arvid Mörne, Erik Grotenfelt, Hjalmar Procopé und Jarl Hemmer. Der Verlag lehnte die Publikation ab. Von dieser Enttäuschung erholte sich Edith Södergran nicht mehr. Ihre Kraft verlosch. Sie starb am Mittsommertag 1923.

„Ich bin nichts als ein maßloser Wille, unermesslicher Wille, doch wozu, wozu? Alles um mich ist dunkel, keinen Strohhalm kann ich heben. Mein Wille sucht nur eines, doch kenne ich es nicht. Bricht mein Wille hervor, werde ich sterben: sei gegrüßt, mein Leben, mein Tod, mein Schicksal.“

Begegnung mit der Anthroposophie: Sie fand 1919 Bücher Rudolf Steiners bei einer Mitbewohnerin des Dorfes und wurde 1920 Mitglied. Sie wollte gerne nach Dornach fahren.

 

AUSZUG AUS DER BIOGRAPHISCHEN DOKUMENTATION

Mit freundlicher Genehmigung: Forschungsstelle Kulturimpuls, Dornach

 

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